Quelle: WR Plettenberg vom 09.10.2012


Oester-Wasserverbandsvorsteher Horst Koester ehrt die Jubilare Bruno Eckert (links) und Dieter Maier. Foto: Constantin Pantel

Täglich eine Wasserstandsmeldung
Bruno Eckert und Dieter Maier sind seit 25 Jahren Talsperrenwärter

Plettenberg. „Keiner kennt das kolossale Bauwerk so gut wie diese beiden“, ist sich Oester-Wasserverbandsvorsteher Dipl.-Ing. Horst Koester sicher, als er im Rahmen einer kleinen Feierstunde am Samstag im Restaurant „Zur Oestertalsperre“ Dieter Maier und Bruno Eckert für ihre 25-jährige Tätigkeit als Talsperrenwärter ehrte und den Jubilaren eine Urkunde, eine Lohntüte aus dem Jahr 1987 sowie eine Flasche „Echt Oesterwasser“ – natürlich Jahrgang 1987 – überreichte.

In der Nachfolge von Wilhelm Zobel, Adolf Denker und Friedhelm Groll „warten und betreuen Maier und Eckert die technischen Anlagen seit einem Vierteljahrhundert bestens“, so Koester weiter. Daten von 154 Mess- und Kontrollstellen geben die Jubilare während eines Jahres an den Regierungspräsidenten in Arnsberg als Aufsichtsbehörde weiter. Der Wasserstand muss sogar täglich mitgeteilt werden.

Die Arbeit des 69-jährigen Eckert und des zwei Jahre jüngeren Maier besteht aber nicht allein aus der Beaufsichtigung der technischen Organe in der von 1903-1906 von zeitweise 600 Arbeitern errichteten Talsperrmauer. „Auch die gesamte Außenanlage muss kontrolliert werden“, denkt Eckert vor allem an die Umzäunung, Beschilderung und Müllvorkommen.

Schließlich handele es sich bei der Oestertalsperre nicht um städtischen, sondern privaten Besitz des 1903 gegründeten Wasserverbandes. „Wir übernehmen aber keine Haftung für Bade- oder Eislaufunfälle“, verweist Koester auf die Benutzung der Talsperre „auf eigene Gefahr.“ Natürlich mache es den Verbandsvorsitzenden stolz, zur Attraktivität der Stadt Plettenberg beizutragen. Hauptaufgabe des Oester-Wasserverbandes seien aber die Regelung der Ruhr über den Zulauf Lenne und vor allem die Versorgung der heimischen Industrie mit Brauchwasser.

Zehn Plettenberger Unternehmen bis zur Firma Rasche Unterm Grünen Berg nutzen das Talsperrenwasser zu Kühlzwecken. Eine entsprechende Brauchwasserleitung wurde 1972 gelegt. Bis Ende der sechziger Jahre, als sich die Kraftnutzung des Wassers allmählich als unwirtschaftlich erwies, wurden noch firmeneigene Turbinen angetrieben. „Die Unternehmen hatten noch Sammelbecken vor den Produktionshallen, die auf Anruf mit Talsperrenwasser gefüllt wurden“, weiß Koester. Auch in den vergangenen 25 Jahren hat sich in und um die Staumauer viel getan. „Zu Anfangszeiten hatten wir neben manuellen nur einen elektrischen Schieber zur Wasserstandsregulierung zur Verfügung“, erinnert sich Maier. Auch die Versorgung mit Elektrizität in der Staumauer habe sich stark verbessert. Sehr zur Freude der Jubilare ist die Anlage seit einer umfangreichen Sanierung in den Jahren 2004 bis 2007 mit neuester Mess- und Regeltechnik ausgestattet. So muss sich Oester-Wasserverbandsvorsteher Koester vorerst nicht auf die Suche nach Nachfolgern für „seine“ Talsperrenwarte machen.


INFO-BOX:
- Vor zwei Jahren hatte Talsperrenwart Dieter Maier einen Auftritt im Fernsehprogramm des Westdeutschen Rundfunks (WDR).
- Ein dreiköpfiges Reporterteam des WDR drehte in Kückelheim einen auf fünf Minuten zusammengeschnittenen Beitrag der Reihe „mittendrin“ für die Sendung Lokalzeit.
- Der WDR-Reporterbus fand auch den Weg zum Tunneleingang der Oestertalsperrmauer.
- Maier führte das Fernsehteam in die Mauer und erklärte dabei Überwachungs- und Sicherheitsfunktionen des frisch sanierten Tunnels.


Zur Geschichte der Oestertalsperre

Zur Geschichte der Oestertalsperrmauer aus „Brockhaus, Wiesenthal und Oesterau. Werksgeschichte 1864-1924“. Verfasst von Walther Brockhaus, 1924.

Schon im 19. Jahrhundert planten Ernst und Paul Brockhaus die Errichtung einer Talsperre im oberen Oester-, bzw. Ebbecketal. Grund waren die unregelmäßigen und im Sommer häufig geringen Wasserkräfte. Ein Staubecken zur Sammlung des Wasserüberschusses aus Frühjahr und Herbst erschien für die Oestertaler und Plettenberger Unternehmen hinsichtlich der Wasserkraftnutzung sehr lukrativ. So erarbeitete der Geheime Regierungsrat Prof. Dr. Ing. Intze 1897 in Aachen ein erstes Bauprojekt, das einen Stauinhalt von 900 000 Kubikmetern vorsah. Nach mehrjährigen Voruntersuchungen an der voraussichtlichen Bausstelle wurde dieser Inhalt auf 3 000 000 Kubikmeter, kurz vor der Fertigstellung der Sperrmauer sogar auf 3 100 000 Kubikmeter, erhöht.
Im Jahre 1902 gründete sich unter dem Vorsitz des Landrats Geheimrat Dr. Thomé die „Oestertalsperren-Genossenschaft im Kreise Altena“, der 14 Firmen und Triebwerksbesitzer angehörten und der Paul Brockhaus (Oesterau) vorstand.
Im November 1903 wurde ein Vertrag mit dem Ruhrtalsperren-Verein geschlossen, der etwa die Hälfte der Amortisations- und Zinsbeträge übernahm. Im Gegenzug verpflichtete sich die Talsperrengenossenschaft, die Wasserabgabe aus der Sperre den Zwecken des Ruhrtalsperren-Vereins entsprechend zu regeln. Die Provinz Westfalen bewilligte eine jährliche Beihilfe von 2500 Mark (ca. 15 000 Euro).

Nach den Plänen Intzes wurde der Talsperrenbau im Herbst 1903 ausgeschrieben. Den Zuschlag zum Preis von 879 000 Mark (ca. 5 274 000 Euro) erhielt der Barmener Bauunternehmer Schütte, der kurz zuvor den Bau der Versetalsperrmauer beendet hatte. Die Aufsicht der Bauausführung übertrug die Genossenschaft Regierungsbaumeister Schäfer von der Technischen Hochschule in Aachen. Eine neue Ausschreibung wurde nötig, als die Firma Schütte nach Aushebung der Baugrube in Konkurs geriet. Die Baufirma Lennartz aus Ehrenbreitstein übernahm, musste allerdings ebenfalls insolvent im April 1905 ihre Zahlungen einstellen.

Nach Vergleichen mit den Konkursverwaltungen und erneuter Ausschreibung übernahm im August die Firma Boswau und Knauer aus Berlin die Fortführung der Aufgaben zu einem Preis von 1 175 000 Mark (ca. 7 050 000 Euro). Auch dieses Mal fanden die Arbeiten ein jähes Ende, als die Firma schon nach vier Monaten die unverrichteter Dinge abzog und so den Vertrag brach. Der folgende Gerichtsprozess zog sich über vier Jahre.

Nach den durchweg negativen Erfahrungen mit den Baufirmen, entschloss sich die Oestertalsperren-Genossenschaft, den Bau der Sperrmauer in Eigenregie zu beenden und übertrug die Ausführung im April an Regierungsbaumeister Schäfer. Im März 1907 konnte endlich mit der Füllung des Staubeckens begonnen und die Anlage Anfang April in Betrieb genommen werden. Die Baugelder konnten der Landesbank der Provinz Westfalen zu 3,75 Prozent Zinsen 16 Jahre Später zurückgezahlt werden.

Nach anfänglich großen Schwierigkeiten beim Bau der Talsperrenmauer verkündete Regierungsbaumeister Schäfer bei der Schlusssteinlegung umso stolzer:
„Des Wassers Flut durch dich gebannt,
Zum Segen für das Oestertaler Land.“



Quelle: ST vom 09.10.2012

Die Wärter der Oestertalsperre
Ein Beruf im Wandel der Zeit


Die Talsperrenwärter Bruno Eckert (links) und Dieter Maier (rechts) wurden am Samstag von Verbandsvorsteher Horst Koester (Mitte) beglückwünscht. Foto: D. Grein

PLETTENBERG Die Oestertalsperre ist eines der beliebtesten Freizeitziele Plettenbergs. Für Bruno Eckert und Dieter Maier ist es mehr - die Sperre ist ihr Arbeitsplatz. Seit nunmehr 25 Jahren sind die beiden Talsperrenwärter. In dieser Funktion überwachen sie alle technischen Anlagen der Brauchwassertalsperre. Dabei haben sie im letzten Vierteljahrhundert einen erheblichen Wandel miterlebt.

"Als wir vor 25 Jahren hier angefangen haben, war der Stand der Technik gleich Null", erinnert sich Dieter Maier. Im Jahr 1987 habe es lediglich einen elektrischen Schieber zur Regelung des Wasserablasses gegeben. Auch gab es kaum Licht in den Betriebshäuschen. Im Laufe der Jahre wurde die Technik Stück für Stück aufgerüstet. Entscheidend war vollem allem die große Sanierung in den Jahren 2004 bis 2007. "Heute verfügen wir über Mess- und Regeltechnik auf aktuellstem Stand", erklärt Horst Koester, Vorsteher des Oester-Wasserverbandes, dem Betreiber der Oestertalsperre.

Entsprechend hat sich auch der Arbeitsalltag von Bruno Eckert und Dieter Maier verändert. Sie kontrollieren und warten die Messeinrichtungen, überprüfen die Schieber, vermitteln täglich Wasserstandsdaten an den Regierungspräsidenten. "Keiner kennt das kolossale Bauwerk aus der vorigen Jahrhundertwende so gut wie sie", lobt Horst Koester. Auch um die Pflege der Umlage kümmern sich die Talsperrenwächter: Zäune werden gepflegt, Beschilderungen kontrolliert, Müll aufgesammelt.

Zum Dank für ihre Verdienste überreichte Horst Koester den beiden Jubilaren am Samstag eine Ehrenurkunde, eine Lohntüte aus dem Jahr 1987 und eine Flasche "Echt Osterwasser" des Jahrgangs 1987. dg